Bericht des Monats August

Veröffentlicht auf von janush-online.over-blog.de

Diesen tollen Bericht hat uns Nanni vom Kronenhof zugesendet

 

 

Nachmittags war es richtig heiß und eigentlich das perfekte Ferienwetter, wenn man den
ganzen Tag über faul in der Hängematte liegen konnte. Irgendwann musste ich mir so ein
Ding zulegen – aber viel Zeit zum Faulenzen hatte ich sowieso nicht. So wurde nichts aus
Dösen, sondern ich rappelte mich etwas schläfrig auf und ging zu den Pferden hinaus; mein
Tempo dabei glich eher dem einer Schnecke. Zum Glück hatten es die Pferde bei dem Wetter
auch nicht so eilig, etwas zu tun. Selbst Blakki und Deyla, die sich oft freuten wenn ich mit
ihnen arbeitete, ließen die Köpfe hängen und der Isländerwallach drehte nur kurz ein Ohr zu
mir, als ich am Offenstall vorbei ging. Ich hatte jedoch auch andere Vorstellungen als die
verschlafenen Ponys zu ärgern – Lucy sollte endlich an den Reiter gewöhnt werden und in
den Ferien hatte Hanni wohl auch wieder etwas Zeit für mich. Wir hatten uns nur eher locker
für drei, vier Uhr verabredet, umso überraschter war ich, als ich sie bereits mit Amira am
Putzplatz sah. Während die Rappstute eine ausgiebige Fellsäuberung bekam, tauschten wir
die wichtigsten Informationen aus, dann ging ich Lucy holen. Die junge Holsteinerstute
spitzte interessiert die Ohren, bewegte sich allerdings keinen Millimeter auf mich zu. Sie stand
Kopf an Schweif mit Blitz und die Schweife flogen nur so hin und her, um alle lästigen Fliegen
fernzuhalten. Um sicher zu gehen, dass der Wallach mich nicht überhört hatte, sprach ich
auch ihn namentlich an, bis er mir kurz ein Ohr zudrehte. Somit wusste ich dass er wusste,
dass ich hinter ihm herumkrebste und sich kaum erschrecken würde. Rasch legte ich Lucy
das Halfter an – so angenehm war die Position bei seiner Hinterhand auch wieder nicht – und
ging mit ihr in Richtung Hof. Nur widerwillig löste sie sich von ihrem Freund und versteckte
den Kopf in meinem Rücken. Seufzend zog ich sie neben mich und legte die Hand ungefähr
zwischen ihre Ohren, von wo aus ich mit dem Strickende über ihren Kopf fuhr, um die Fliegen
zu verscheuchen, wie sie es sonst von Blitz’ Schweif gewohnt war. Entspannt senkte sie den
Kopf noch ein wenig mehr, und im Schlendertempo gingen wir zum Putzplatz. Hanni lachte,
als wir daherkamen wie von einem drei Stunden Ausritt. Viel zu putzen hatte ich mit der Stute
zum Glück eh nicht, trotzdem striegelte ich einmal von vorn nach hinten auf beiden Seiten
über das hellbraune Fell. Danach bürstete ich die Haare wieder glatt und auch die Mähne und
der Schweif wurden hübsch gemacht. Hanni wollte noch ein wenig mit Amira arbeiten, was
ich gut verstehen konnte, so oft sah sie die hübsche Friesenstute ja nicht. Ich wollte ebenfalls
noch ein wenig Bodenarbeit mit Lucy machen, damit sie sich voll und ganz auf mich
konzentrierte, ehe wir mit dem aufsitzen anfingen. Lucy schaute Amira sehnsüchtig nach, als
Hanni sie wegführte, aber sie verkniff sich ein Wiehern und blieb auch ruhig, wenngleich
etwas angespannt, stehen. Schnell vervollständigte ich die Putzaktion und kratzte ihr
anschließend die Hufe aus, etwas, was bei der kleinen Dame sehr gut ging. Natürlich lobte
ich sie trotzdem für das anstandslose Geben und Halten der Hufe. Nun holte ich die
Ausrüstung, den leichten Kunststoffsattel und eine normale Wassertrense, eingebaut in das
nagelneue Lederzaumzeug, besetzt mit kleinen Strasssteinchen – ein Turniergewinn von Trixi,
aber für die hübsche Lucy ebenfalls sehr passend. Zurück am Putzplatz merkte ich, dass sich
die Stute erleichtert hatte – also legte ich ihr den Sattel etwas schneller auf als normalerweise
bei jungen Pferden, aber eigentlich kannte Lucy das Ding auf ihrem Rücken ja schon lang
genug. Nachdem alles richtig lag, zog ich den Sattelgurt leicht an und holte dann die
Mistgabel, um den Haufen Pferdeäpfel auf den Mistplatz zu schmeißen. Anschließend wandte
ich mich wieder Lucy zu – die Stute blickte mir mit einer gewissen Vorahnung entgegen, als
ich das Zaumzeug in die Hand nahm. Ruhig legte ich es ihr an und passte es dann natürlich
noch der Kopfform der Stute an. Nachdem alle Schnallen richtig angepasst waren, halfterte
ich sie darüber mit dem Knotenhalfter auf und wir gingen los in die Reithalle, die zum Glück
leer war. Zuerst gingen wir im Schritt herum, damit sie sicherstellen konnte, dass sich in
letzter Zeit kein pferdefressendes Monster eingenistet hatte. Anschließend übte ich halten,
angehen und rückwärts schicken. Danach ließ ich sie mit der Vorderhand und der Hinterhand
weichen und baute das ganze zum Walzer zusammen, wobei sie auch ein bisschen traben
und galoppieren konnte. Das heiße Wetter kam uns dabei sehr zu Gute – Lucy ging ganz
gelassen, ohne sich irgendwie aufzuregen, aber ein bisschen faul war sie (wer konnte es ihr
verübeln, wenn man schon ihm stehen anfing zu schwitzen?). Jedenfalls brauchte ich mich
wohl nicht vor einem Rodeo zu fürchten. Als Hanni nach Zuruf die Halle betrat, waren wir
beide gut aufgewärmt und Lucy aufmerksam und entspannt. Sie überreichte mir grinsend
meinen Helm und ich ihr den Strick von Lucys Halfter, und ließ auch sie kurz mit Lucy
arbeiten, aber auch bei Hanni war die Holsteinerin sehr brav. So fingen wir nun mit dem
Stockerl an. Von ‚oben’ (sie viel größer wie sie war ich trotzdem nicht) fing ich an sie zu
streicheln und mich über sie zu beugen, was sie bereits kannte. Ruhig stand sie da und
genoss das Streicheln von mir und Hanni. Auch dass wir die Steigbügel hinunterzogen und sie
leicht hin und her schwangen, während wir sie dafür lobten, dass sie stehen blieb, war die
Stute fast verdächtig brav. Endlich machte sie einen nervösen Schritt nach vorne – „Nein!“,
sagten Hanni und ich gleichzeitig und Hanni ließ die Stute den Schritt wieder zurück machen.
Danach lobten wir sie beide wieder und Lucy senkte den Kopf mit einem leisen Pusten: „Na
wenn ihr meint...“. Auch das ich nun den Fuß in den Steigbügel stellte und sie mit der
Zehenspitze anstieß, machte ihr reichlich wenig aus. Langsam stellte ich etwas mehr Gewicht
in den Steigbügel – als es ihr zu viel wurde, machte sie einen Schritt auf mich zu. „Nein“,
korrigierte Hanni, merkte aber rasch, dass ich nachdenklich den Kopf hin und her wog.
„Eigentlich kann man es ja schon als Gewichtshilfe ansehen“, überlegte ich, aber trotzdem
mussten wir die Stute wieder von mir weg führen, damit ich nicht ihren Bauch über dem
Stockerl hatte, sonst konnte ich da ja nicht stehen. Wir wiederholten die Übung und Hanni
glich den Druck etwas aus, indem sie mit der anderen Hand den gegenüberliegenden
Steigbügel hielt. Über längere Zeit das Gewicht auf eine Seite verlagern, war sowieso nicht
gut für ein Pferd. Anschließend führte sie die Stute eine kleine Runde, damit sie das Ganze
ein wenig verarbeiten konnte, und parkte sie dann anders herum wieder ein. Jetzt
wiederholten wir das ganze von der rechten Seite, was ihr schon weniger recht war. „Tz tz tz,
Nanni... du hast wohl doch immer nur von links mit ihr gearbeitet“, lästerte Hanni, die genau
wie ich wusste, wie wichtig es war, alle Übungen von beiden Seiten zu machen – da Pferde
Menschen instinktiv lieber auf ihrer linken Seite hatten und das ausgeglichen werden musste,
wie Lucy eben schön zeigte. Natürlich waren wir ihr deswegen nicht böse, sie konnte ja nichts
dafür dass sie ein Pferd war =D. Trotzdem arbeiteten wir weiter, bis ich sie auch von rechts
oben überall, wo ich gut hinkam, streicheln konnte, den Fuß in den Steigbügel stellen konnte
und etwas Gewicht hinein legen konnte. Schließlich – mit viel Gegenhalten von Hanni, was sie
fast vom Streicheln abhielt – konnte ich mich schon vom Boden hochziehen und mit einem
Fuß im Steigbügel stellen. Unter viel Loben hob ich den linken Fuß über ihren Rücken.
Überrascht dass mein Fuß rechts, nirgends und wieder links zu sehen war, drehte sie den
Kopf zu mir zurück und begutachtete mich, wie ich da saß. Wir ließen sie, denn wenn sie den
Kopf gerade hielt, konnte sie ja maximal ein Bein auf jeder Seite sehen, was ein ziemlich
schräges Bild ergeben musste, sogar für so eine brave Stute wie Lucy es war. Mit viel
streicheln und gutem Zureden versuchten wir ihr klarzumachen, dass hier gar nichts Böses
geschah. Nach einer Weile merkten wir, wie sie anfing sich zu entspannen. Sie lockerte ihre
Muskeln, drehte die Ohren auch mal woanders hin und senkte den Kopf etwas. Zufrieden
lobten wir sie und berieten, was jetzt. Zur Auswahl stand absteigen und loben, absteigen,
rumführen und wieder aufsteigen, oder oben bleiben. Auf Aufhören hatte ich eigentlich gar
keine Lust, und ob herumführen jetzt so viel brachte oder ob sie sich dann neu verspannte?
Wir entschieden uns, ohne große Pause weiterzumachen, und während ich nur oben saß,
streichelte und ihr alles ganz genau erklärte, ging Hanni mit ihr los. Da sah man mal wieder
ihre gute Grundausbildung :). Ohne zögern ging sie los, als Hanni das Signal dazu kam, und
überrumpelte sich damit quasi selbst. Die ersten paar Meter ging sie einfach nur verdutzt
neben Hanni her und wunderte sich, was da grad passierte. Ich behielt die Hand auf ihrer
Schulter, kraulte sie leicht und bemühte mich, möglichst locker und ausbalanciert auf ihr oben
zu sitzen. Natürlich plauderte ich dabei weiter ganz locker mit ihr. Als Hanni hielt, drehte sie
sich sofort wieder um und schaute mich groß an. Ich streichelte sie am Kopf und jetzt war es
wirklich genug für heute. Ich stieg ab, wobei Lucy einen überraschten Schritt zur Seite
machte; aber an das Absteigen würde sie sich sicher noch gewöhnen. Wir lobten sie ganz fest
und dann wollten wir sie nicht noch lang nerven, sondern sie möglichst bald auf die Koppel
‚schmeißen’, damit sie das ganze nur in positiver Erinnerung behielt. Also nahm Hanni ihr
gleich den Sattel ab und ich ging zum Putzplatz, wo ich sie rasch an Beinen und Gurtlage, wo
sie ein wenig geschwitzt hatte, abspritzte. Danach kam Hanni auch schon mit einer handvoll
Leckerlie – und schon ging es auf der Koppel. Dass ich das Zaumzeug dabei oben hatte, war
bei Lucy gar kein Problem – geduldig wartete sie, bis ich alles geöffnet hatte und das Leder
unten war, dann trotte sie gemächlich los. Erst in ein paar Meter Entfernung trabte sie an und
lief in den Schatten.

 

 

Ein ganz toller Bericht Nanni! Er ist sehr lebhaft geschrieben. Dein Schreibstil ist
richtig angenehm, du beschreibst die wichtigen Dinge sehr detailliert ohne ins ,,drum
herum schwafeln” überzugehen. Immer weiter so!

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Veröffentlicht in Kreatives

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