Res Gestae Equorum – Der alte Hase im Zuchtgeschäft
Nun sind wir wieder in der Hofvorstellung angelangt. Diesmal ist das Gestüt Res
Gestae Equorum dran, vorgestellt zu werden. Erfahrt mehr über dieses einzigartigen
Hof. Viel Spaß beim lesen!
Res Gestae Equorum – das ist ja schon ein ungewöhnlicher Name. Was bedeutet
der Name im Deutschen?
Ist Latein und bedeutet "Die Leistungen der Pferde". Die Geschichte ist ne ganz
witzige. Als ich 2005 mein damaliges Turniergestüt Callisto auf HTML umzog,
wollte ich einen neuen Namen haben, was abseits von irgendwelchen Maskottchen
geht und auch die Bezeichnung Turniergestüt fand ich damals nichtmehr schön. Beim
Vokabeln lernen für Latein stieß ich auf "Res Gesta" = "Leistungen" und hatte es.
Latein war zwar nie mein Fach, aber der Name hat sich trotz aller Bedenken gehalten.
Man hat gehört ihr habt dieses Jahr euer 5 jähriges (oder 6 jähriges) Jubiläum
gefeiert. War RGE früher auch schon so bekannt und erfolgreich?
Ich hab angefangen als Turnierhof. Turnierhöfe schaffen sich eine gute Kundschaft,
wenn man nur zeitig auswertet und immer wieder was anbietet. Man braucht sich nur
Turnierställe wie Wittingen oder Summerland angucken oder ehemals Rosenberg, da
fällt selten was aus, die können auch mal problemlos spezielleres ausschreiben.
Irgendwann fing halt das Züchten intern an, mit Desmond, den es ja heute auch noch
gibt. Irgendwie kam es dann Schlag auf Schlag. Ich behaupte von mir mal, dass 5-6
Jahre eine lange Zeit sind. Ich kann auf vieles an Erfahrungen zurückgreifen, habe
viele Trends kommen und gehen sehen. Vor allem aber höre ich immer wieder von
Leuten, mit denen ich auf VRHs zu sprechen komme, dass RGE seit Beginn ihrer
VRH-Leidenschaft da war. Ich glaub, das Zeit vieles erledigt, allerdings sollte man
sich auf Monopolstellungen nicht ausruhen, sondern sich immer wieder neues
ausdenken, sonst wird es für einen selbst und auch für die Kundschaft langweilig.
Anders gesagt: Erfolg kommt mit der Zeit von selbst, wenn man nicht aufgibt und
sich auch durch Täler durchschlägt, leider schließen inzwischen immer mehr alte
Höfe für Umbaupausen und kommen nicht zurück, weil es an Motivation fehlt.
Auf RGE werden ja auch nur einige Rassen gezüchtet. Ich habe von
Warmblütern, Fjordpferden, Haflingern und Isländern erfahren. Wie bist du
auf gerade diese Rassen gekommen?
Warmblüter waren der Anfangsbestand. Auf der Vorversion waren Callisto und
Violetta meine Pferde, mit denen ich Turniere gegangen bin und mit denen ich
irgendwann angefangen hab zu züchten. Callisto findet sich heute über diverse Pferde
wieder, wie einige sagten, als er starb, er ist ein Hengst an den man sich erinnert.
Violettas erster Sohn Desmond, ist der Hengst, der von vielen als DER RGE-Hengst
schlechthin bezeichnet wird. Daraus haben sich die Warmblüter mit jeweils
Schwerpunkt Dressur oder Springen ausgebildet und wer heutzutage in Zuchtsachen
mit dabei sein will, der muss irgendwo sowas "normales" mit reinnehmen.
Fjordpferde habe ich ja lange überlegt, welche Ponyrasse ich neu einführen will, da
stand es zwischen Fjords und Hafis. Beide Rassen mag ich real auch sehr gerne reiten.
Daher kamen die Fjords und später dann die Haflinger. Mit Isländern ist es ähnlich,
zudem gibt es genug Leute, die sich bei Isländern nicht mit der isländischen
Ausbildung beschäftigen, wo dann Sachen stehen, bei denen sich einem die Nägel
hochrollen. Ich war früher auf dem derzeit pausierenden/geschlossenen(?) Snaefall
angemeldet und bin auch real öfter mal Isländer geritten. Eigentlich sollte es keine
Zucht werden, aber jetzt sind’s zu viele Pferde um das noch zu leugnen.
Die ehemaligen Zuchten für AVBs und Friesen sind eher Zufall. Die AVB-Zucht
begann mit Anxios Heart, der übrigens jetzt in Rente ist. Den habe ich gekauft, weil
ich ihn schick fand, daraus wurde dann eine Zucht. Bei Friesen war es eine gezielte
Suche, die fand ich schon immer faszinierend, aber die Nachfrage ist zu klein
geworden, daher wurden beide Rassen "aussortiert".
Res Gestae Equorum ist ja doch sehr bekannt. Hast du ein Geheimnis für diese
„Berühmtheit“?
Wie ich schon sagte: Dranbleiben und Täler überwinden, nur wer sich durchbeißt,
wird bekannt. Dann noch ein gesunder Schuss Realität und Kreativität, sowie
Ehrlichkeit und den Mut zu Unbekanntem. Das ist nicht nur bei Zuchtställen so, auch
bei VRHs. Wenn ich sehe, wie viele Leute eine Woche aufbauen, dann öffnen und
wieder schließen, weil entweder keine Mitglieder oder zu viel Arbeit kommt, der ist
selber schuld. Wer aber schon Mühe und Geduld in den Aufbau steckt, hat später
weniger Mühen.
Hinter dem Hof steckt bestimmt ganz schön viel Arbeit, oder?
Ja
Hast du unter den Pferden einen besonderen Favoriten?
Das ist eine Frage, vor der ich mich persönlich immer fürchte, weil sie mich dazu
bringt, Wahrheiten zu erzählen, die ich garnicht schön finde. Fakt ist, dass ich nach
wie vor von den Linien begeistert bin, die aus Callisto oder Violetta hervorgehen.
Besondere Favoriten hatte ich lange Zeit in Stammstuten wie Kybeles Idylla oder
Vianne. Blöderweise muss sich eine Zucht weiterentwickeln, damit es was wird,
deswegen darf man an solchen Pferden nicht zu lange festhalten. Das habe ich leider
getan, Folge sind jede Menge Pferde, die alle irgendwie miteinander verwandt sind.
Wenn man sich dann überlegt, dass man zu viele Pferde hat und ausgerechnet die
aussortiert, die nicht aus den Linien kommen, hat man ein mächtiges Problem. Da war
ich vor kurzem, auf dem Stand, dass über die Hälfte meiner Dressurpferde mindestens
in Großelterngeneration auf Desmond oder Vianne zurückgeht und dann sitzt man da
und weiß nicht weiter. Klare Favoriten habe ich in meinem Pferdebestand nicht, ich
glaube allerdings, dass aus meiner Neuerwerbung Arisbe, ihrem Sohn Erill, meinen
diversen Vianne-Töchtern und -Enkelinnen und dem Holsteinernachwuchs Il Bacio
'ne ganze Menge werden kann. Außerdem freue ich mich über jedes Fjordfohlen, das
ich bekomme. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass ich meine Edelblut-
Haflingerdame Amira lieben lernen werde. Ihre Mutter habe ich selbst gezogen, sie
geht nach einem Vorbild, des ersten Pferdes, das ich als Reiter selbst geliebt und
leider verloren habe, sie trägt den gleichen Namen und die gleiche Rasse...
Hast du dir für RGE noch weitere Ziele gesetzt?
Die Haflingerzucht soll gut losgehen, Haflinger gibt es zwar real sehr viel, virtuell
leider nur sehr wenig. Ich hoffe, dass Isländerzuchten wieder mehr werden, da gibt es
einfach zu wenige gute. Außerdem hoffe ich dass der Fjord-Trend noch eine Weile
weiterläuft und RGE da auch nach wie vor ein schöner Vorreiter bleibt
Du hast das letzte Wort! Willst du den Lesern noch etwas sagen?
Uff vieles! Ich versuchs einfach mal.
Ich bin seit 2001 im VRH-Geschäft tätig. Da war das noch was ganz Neues,
Besonderes, da ging die Bewegung gerade erst los. Mit kaum einer Unterbrechung bin
ich seitdem dabei. Die VRHs sind ein Hobby, das mich durch meine Jugend begleitet
hat. Ich bin daran gewachsen, ich habe daraufhin mein Studium ausgerichtet
(Informatik). Allerdings machen VRHs nur Spaß, wenn man sich selbst Ziele und
Grenzen setzt. Diese Grenzen setzte ich mir nicht nur für mich selbst, sondern auch
so, dass andere Leute es sehen können. Alterung ist ein Beispiel: Wenn man Pferde
altern lassen will, dann sollte es einheitlich geschehen, man darf sich keinerlei
Ausnahmen machen. Wenn Pferde altern, muss man sich was überlegen, nach
welchem System man einen Stall voll 40-jähriger Pferde vermeidet, da kommt das
doch recht unangenehme Thema des Sterbens von Pferden dazu. Bei mir fragen sich
garantiert einige, wie ich es ringen konnte, meinen Lieblingshengst Eolair mit 20
(recht jungen) Jahren zu "killen". Das war wieder eine Aktion, wo der Entschluss
kam, dass Bewegung drinbleiben muss. Dann muss man alle Pferde reinnehmen, darf
keine Ausnahmen machen und wenn man sich selbst im Voraus sagt, dass man alles
würfeln will, dann muss man das auch tun. Und wenn es dann auch noch das Pferd
trifft, welches man nicht wollte, muss man sich selbst sagen "Du hast gewürfelt und
das nicht umsonst", dann gibt es kein Zurück und keine Ausflüchte.
Ähnlich wie da, hält es sich auch in anderen Dingen. Der Trend geht zur Realität,
wenn man sich Prinzipien setzt, sollte man diese auch halten.
Eine andere Sache, die ich loswerden will, ist das mit der Ausdauer. Das VRHGeschäft
ist groß und weit und vor allem kennt es schon fast alles. Wenn man was
aufbauen möchte, dann sollte man das tun und man sollte daran festhalten, denn nur
so schafft man den Durchbruch. Wenn man viele Ideen hat, dann sollte man die, so
gut es eben geht, in ein Projekt packen und nicht nebeneinander 4 oder 5 Projekte
haben, die am Ende alle nix werden. Ich halte auch nicht viel von Multi-VRHs, an
denen 3 Leute oder mehr herumbauen. Ich glaube auch nicht, dass ein Formular
einem aussagt, mit wem man gut einen VRH aufbauen kann. Ich selbst habe mit
Angerbach mein erstes Projekt, das ich mit wem zusammen aufgebaut habe. Ich muss
zugeben, ich hätte es mit niemandem, außer mit Mánadís aufbauen können. Ich kenne
sie seit 2004, wir haben uns auf Snaefall kennengelernt, mit einer Kleinigkeit wie dem
Verkauf eines Jährlings. Wir haben Kontakt gehalten und haben uns auf der HG
wiedergetroffen. Wir haben, seit wir uns kennen, die gleichen Ansichten zu VRHs
und nur das hat es möglich gemacht, dass wir was zusammen aufgebaut haben.
Genauso hält es sich mit Alix als Moderator oder Administrator der Warmblutzucht
auf RGE. Ich bin da immer sehr eigen gewesen und habe mir gesagt, dass es nur sehr
wenige Leute gibt, mit denen ich sowas hätte machen können. Glücklicherweise hat
sich eine davon gemeldet, ohne, dass ich was dazu getan hab. Was ich sagen will, es
hilft nicht ein Gesuch, klar, kann es gutgehen, aber meiner Meinung nach sollte man
die Leute kennen, mit denen man was aufbaut, zumindest soweit kennen, dass man
weiß, dass sie ähnlich oder gleich denken.Ich könnte hier noch mehr sagen, wer noch
mehr lesen will, kann mich ja gerne anschreiben.
Ein Bericht von Bianca I.